11.09.2019rss_feed

QS & Wissenschaft

Mit dem Kamera-Auge für eine bessere Tierwohl-Überprüfung

Ein Trend, der nicht zu übersehen ist: Immer mehr Menschen legen Wert darauf, dass die Tiere, deren Fleisch sie essen, artgerecht gehalten wurden und im Laufe ihrer Haltung weder Leid noch Schmerzen erdulden mussten. Mit Unterstützung des QS-Wissenschaftsfonds hat die Tierärztliche Hochschule Hannover nun ein kamerabasiertes Monitoring-System entwickelt, mit dem die Überprüfung des Tierwohls automatisiert möglich ist und maximale Objektivität gewährleistet. Über das durch den QS-Wissenschaftsfonds geförderte Projekt berichten wir hier im neuesten Teil unserer Artikelserie Forschung – fit für morgen.


Schweine Transport Tierschutz IMG 2365

Indikatoren liefern Rückschlüsse auf das Tierwohl

Seit 2012 erheben und dokumentieren Tierhalter zur Sicherstellung der Anforderungen des Tierschutzgesetzes sogenannte Tierschutzindikatoren, um das Wohlergehen der Tiere einschätzen zu können und ggf. Maßnahmen zur Verbesserung umzusetzen. Diese Indikatoren sind durchweg tierbezogene Merkmale. So lässt bei Schweinen der Zustand von Haut, Ohren, Schwanz und Gelenken unmittelbare Rückschlüsse auf das Tierwohl zu. Die Erfassung dieser Merkmale ist heute Aufgabe der Mitarbeiter im Schlachthof und somit Fehlerquellen wie Subjektivität durch Personalwechsel oder Ermüdung ausgesetzt. Einer gewissenhaften Beurteilung steht bisweilen auch der hektische Betriebsablauf entgegen – für eine Beurteilung bleiben oft nur acht bis neun Sekunden.

Höhere Objektivität dank automatisierter Verfahren

Genau an diesem Punkt hat das Forschungsprojekt der Tierärztlichen Hochschule Hannover angesetzt. Ziel war die Entwicklung eines bildgebenden Verfahrens mit automatisierter Auswertung der Tierschutzindikatoren. Mit speziellen Kameras im Schlachthof sollten Merkmale standardisiert erfasst werden. Dank der Integration in bestehende IT-Systeme ist sogar die Meldung von Abweichungen – inklusive möglicher Verbesserungsmaßnahmen – direkt an den Tierhalter möglich.

Ergebnis des Projekts ist ein Erfassungssystem, das aus fünf 2D-Kameras besteht, die Schinken, Rücken, Kopf und zwei Seitenansichten des Schweins scannen. 20 LEDs sorgen für die nötige Ausleuchtung, während ein blauer Hintergrund an der Bilderfassungsstation sicherstellt, dass starke Kontraste den Sensoren die Arbeit erleichtern.

Algorithmen lernen, Tierschutzindikatoren zu analysieren

Der Aufwand war enorm: Zur Kalibrierung wurden von jedem Merkmal mindestens 200 Bilder gemacht und durch eine Tierärztin analysiert. Auf der Grundlage dieser Bilder entwickelten die Forscher Algorithmen, um das System zur automatischen Erkennung zu befähigen. Wie gut die Beurteilung war, wurde jeweils wiederum tierärztlich bewertet – mit dem Ergebnis, dass sich der lernende Algorithmus immer weiter verbesserte und im Verlauf des Projekts zuverlässige Analysen lieferte.

Automatisierte Erfassung mit klaren Vorteilen

Die automatisierte Erfassung von Befunden am Schlachthof bietet gegenüber anderen Erfassungsmethoden klare Vorteile. Die Rückmeldung der am Schlachthof standardisiert erfassten Tierschutzindikatoren an den Landwirt kann einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Haltungsbedingungen und des Gesundheitszustandes der Tiere leisten. Und der Kunde an der Fleischtheke kann zukünftig noch beruhigter sein, dass Tierwohlkriterien in der Haltung zuverlässig eingehalten wurden.

 


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