26.06.2019rss_feed

 

Lebensmittel retten. Aber wie und wo?

Mit Essen spielt man nicht – gilt nach wie vor

In einem Best-of-Erziehungssprüche hätte der Satz Mit Essen spielt man nicht sicher gute Chancen auf eine Podiumsplatzierung. Viel zitiert, stammt er aus einer Zeit, in der für Nahrungs- und Genussmittel 50 Prozent des Haushaltseinkommens ausgegeben wurde und steht für die Angst vor Verschwendung der hart erarbeiteten Lebensmittel. Auch heute hat die Verschwendung von Lebensmitteln eine wirtschaftliche wie eine ethische Dimension – und sie hat gewaltige Ausmaße angenommen: Jahr für Jahr landen in Deutschland 11 Millionen Tonnen(!) Lebensmittel im Wert von circa 25 Milliarden Euro auf dem Müll. Das belastet Umwelt und Ressourcen und erschwert die Versorgung der Bevölkerung in anderen Ländern.


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Lebensmittelverschwendung – jeder kann etwas dagegen tun

Jeder Bundesbürger wirft heute pro Jahr etwa 80 Kilogramm an Lebensmitteln weg – und muss somit rund 230 Euro an vermeidbaren Ausgaben einkalkulieren. Das Problem betrifft aber auch Erzeuger, Gastronomie oder den Einzelhandel. In all diesen Bereichen wird zu viel verschwendet – und deshalb haben sich Initiativen oder Unternehmen gegründet, um die Verschwendung zu begrenzen: Soziale Initiativen wie die Tafeln ebenso wie die Website Foodsharing oder Apps wie Zu gut für die Tonne und Uxa.

Foodsharing wendet sich an einen breiten Nutzerkreis und ermöglicht beispielsweise, überschüssige oder fast abgelaufene Lebensmittel zu verschenken. Sind von der Grillparty noch jede Menge Würstchen übrig, können diese in einer Online-Datenbank über 260.000 Foodsharing-Nutzern angeboten werden. Foodsharing steht aber auch dem Einzelhandel zur Verfügung, um nach Ladenschluss Produkte abzugeben, die am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden. Die Lebensmittel können auch an zentralen Fair-Teilern abgegeben werden, die es bereits in vielen Städten gibt. Ähnlich den öffentlichen Bücherschränken finden sich die Fair-Teiler – oft mit Kühlschrank – an gut zugänglichen Orten und bieten die kostenlose Mitnahme von Lebensmitteln an. Ein Foodsaver kümmert sich darum, dass die Hygieneregeln an den öffentlichen Umschlagplätzen eingehalten werden. Laut eigenen Angaben konnten durch Foodsharing bereits fast 24.000 Tonnen Lebensmittel vor dem Wegwerfen gerettet werden.

Kreative Verwertungsideen

Einen anderen Ansatz verfolgt Zu gut für die Tonne. Die App des Bundesministeriums für Umwelt und Ernährung vermittelt nicht nur clevere Präventiv-Tipps zum Einkaufen, um die Entstehung von Resten zu vermeiden. Sie hilft auch weiter, wenn es darum geht, die zu viel gekochten Kartoffeln, die angebrochene Tomatensauce oder den Rest Pesto im Glas weiterzuverwenden. Auch auf qs-pruefzeichen.de gibt es vielfältige Anregungen und Life-Hacks zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und praktische Hinweise zur richtigen Lagerung von frischen Lebensmitteln.

Wer keine Lust hat, Tomaten und Gurken zu inserieren und daraus auch keinen griechischen Salat mehr zaubern kann, weil er am nächsten Tag in den Urlaub fährt, der kann seine übrig gebliebenen Lebensmittel aber auch ganz einfach dem Nachbarn geben, oder an soziale Einrichtungen wie den Tafeln oder Initiativen der großen Sozialverbände.

Auch für die Gastronomie interessant

Gezielt gegen Verschwendung in der Gastronomie will die Online-Plattform ResQ aus Finnland angehen. Dort werden laut Deutscher Bundesstiftung Umwelt (DBU) pro Jahr fast zwei Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das entspricht pro Betrieb laut Marktforschung Gastrodata immerhin rund 5.000 Kilo im Wert von circa 10.000 Euro. Ein ähnliches Ziel verfolgt Too Good To Go, bei dem Hotels, Restaurants oder Bäckereien ihre übriggebliebenen Gerichte – etwa vom Frühstücksbuffet – anbieten, um das Wegwerfen zu verhindern. Der Vorteil für die Kunden: Die Gerichte, deren Zutaten ansonsten weggeworfen würden, kosten nur einen Bruchteil des regulären Preises.

Das Motiv aller Initiativen und Aktivitäten im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung ist der Einsatz für eine höhere Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln. In Zeiten, in denen Durchschnittsverdiener für Nahrungs- und Genussmittel nur rund 10 Prozent ihres Einkommens ausgeben, während gleichzeitig jedes fünfte Kind in Armut lebt und keinen regelmäßigen Zugang zu gesunder Ernährung hat, ist weniger Verschwendung weit mehr als nur ein wirtschaftliches Gebot.


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